Neue Shoperöffnung in Esch sur Alzette
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Luxemburg will Cannabis legalisieren
26. April 2019

Beitrag von Wort.lu über CBD24

Autorin: Sarah Cames, Wort.lu
Ganzer Beitrag: https://www.wort.lu/de/business/erste-cannabis-automaten-in-luxemburg-5c9cf9a1da2cc1784e340d12

Früher war der hippe Coffeeshop der Treffpunkt schlechthin – heute laufen Headshops ihnen den Rang ab. Cannabis kommt so langsam im Mainstream an.

In Luxemburg gibt es seit Februar vier Cannabis-Automaten. Anhänger des grünen Krauts können sich in Wiltz, in Echternach, in Esch/Alzette und in Grevenmacher selbst bedienen – ganz ohne ärztliche Verordnung. Wer sich vom Angebot dieser Automaten allerdings verspricht, in einen Rausch zu verfallen, ist hier an der falschen Adresse. Die Cannabis-Produkte, die in den Maschinen angeboten werden, haben nur einen minimalen Anteil an THC (unter 0,3 Prozent) – dem Stoff, der für die berauschenden Eigenschaften der Pflanze verantwortlich ist. 

Stattdessen dreht sich bei dieser Produktpalette alles um CBD, auch bekannt als Cannabidiol. Im Gegensatz zum Tetrahydrocannabinol (THC) ruft es keine berauschende Wirkung hervor, es ist also nicht psychotrop. Vielmehr ist es wegen seines medizinischen Nutzens beliebt.

Der Wirkstoff CBD wird gegen mehrere Krankheitsbilder eingesetzt. Symptome von Leiden wie Epilepsie, Entzündungen und neurodegenerativen Krankheiten wie Multipler Sklerose können durch CBD gelindert werden, so der nationale Drogenbeauftragte Alain Origer. Der Wirkstoff hat außerdem einen beruhigenden Effekt, was ihn bei der Behandlung von Angstzuständen und anderen psychischen Beschwerden sehr beliebt macht. 

Serge Schneider, Präsident der Vereinigung Cannamedica Luxembourg, sagt zu dem medizinischen Nutzen von Cannabidiol: „CBD hat den Vorteil, dass es breiter wirkt. Es gibt Berichte von Verbesserungen bei Krebs, Parkinson und Alzheimer. Ein wichtiger Vorteil ist auch, dass CBD nicht psychotrop ist, es hat also keine Nebenwirkungen.“

Vor allem Patienten, die sich von herkömmlichen Therapien im Stich gelassen fühlen, versuchen ihre Beschwerden durch CBD zu lindern, so Schneider.  

Auch Alain Origer von der Nationalen Koordinationsstelle für Drogen sagt über CBD, es wäre ein medizinisch unbedenklicher Wirkstoff, von dem so gut wie keine Nebenwirkungen bekannt sind. Das Rauchen von CBD-Produkten berge allerdings ähnliche Gefahren wie das Rauchen anderer Stoffe. Außerdem würden CBD-Produkte häufig fälschlicherweise als Allheilmittel für alle möglichen Krankheiten angepriesen, ohne dass die Wirksamkeit in jedem Fall bestätigt sei. 

CBD in Luxemburg

Der Wirkstoff CBD erfreut sich in Luxemburg wachsender Popularität. Mehr und mehr Cannabis-Läden, auch Headshops genannt, öffnen ihre Türen in Luxemburg. Die verschiedenen im Sortiment erhältlichen Sorten tragen exotische Namen wie „Northern Lights“ oder „Mango Kusch“, und ihre Aromen werden mit Adjektiven umschrieben, die man sonst nur von Koffein-Enthusiasten und Wein-Kennern kennt. Cannabis ist der neue Kaffee, könnte man fast meinen.

„Das Image von Cannabis hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Es kommt aus der Schmuddel-Ecke heraus“, so Origer von der Abteilung für Sozial-Medizin, Abhängigkeit und geistige Gesundheit. 

Einer dieser brandneuen Cannabis-Shops in Luxemburg vertreibt sein Angebot durch Automaten, die an vier Orten in Luxemburg aufgestellt sind. Der erste CBD24-Automat eröffnete am 16. Februar 2019 in Echternach, drei weitere folgten kurz darauf in Wiltz, Grevenmacher und Esch/Alzette. Sascha Theis, der Betreiber der CBD-Automaten, ist überwältigt von dem Zuspruch, den er seit der ersten Eröffnung erfahren hat: „Das Interesse übersteigt bei Weitem meine Erwartungen“, so der deutsche Unternehmer.

Theis hatte schon länger mit der Überlegung gespielt, eigene Cannabis-Automaten aufzustellen. Als die luxemburgische Regierung im Dezember 2018 dann die Absicht verkündete, den Konsum von THC-haltigem Cannabis legalisieren zu wollen, war dies für Theis ein Zeichen, dass Cannabis im Mainstream angekommen sei und er mit seinem neuen Unternehmen auch gesetzlich auf der sicheren Seite sei. In Deutschland bewege man mit einem solchen Unterfangen immer noch mehr in einer legalen Grauzone, so Theis.

Genau das zeigt sich jetzt auch klar an den jüngsten Entwicklungen in Trier. Dort eröffnete Im November 2018 der erste CBD-Automat Deutschlands. Am Donnerstag kam von der Staatsanwaltschaft Trier die Mitteilung, der Automat wäre abgebaut worden und drei Ermittlungsverfahren wären sowohl gegen den Betreiber des Automaten und des dazugehörigen Headshops, als auch gegen einen Gastronomiebetrieb eingeleitet worden, der sich am Vertrieb beteiligte.

Auf Nachfrage erklärte die luxemburgische Staatsanwaltschaft Wort.lu gegenüber, sie hätten die Entwicklung in Trier zur Kenntnis genommen, könnten aktuell aber keine Aussagen zu möglichen ähnlichen Schritten gegen den Betreiber der Automaten in Luxemburg machen. Sie seien sich der „extrem komplexen Problematik“ allerdings bewusst.

Unter das Betäubungsmittelgesetz fallen CBD-Produkte in Luxemburg allerdings nicht: Seit 2012 werden Hanfprodukte mit einem Grenzwert von unter 0,3 Prozent THC in Luxemburg nicht mehr als Suchtstoff angesehen. Seit dem 20. Juli 2018 sind auch THC-haltige Cannabis-Produkte in Luxemburg zugelassen – sofern sie von einem Arzt verschrieben wurden. Die aktuelle Regierung will noch einen Schritt weiter gehen: DP, LSAP und Déi gréng sind sich einig, dass auch der Freizeitkonsum der Droge in den kommenden Jahren legalisiert werden soll. Ab wann genau rauschauslösende THC-Produkte in Luxemburg auf legalem Weg erhältlich sein werden, ist allerdings noch nicht gewusst. 

Auch wenn der Betreiber der Automaten in Luxemburg von den Vorzügen von CBD überzeugt ist, seine Kunden will er selbst nicht beraten: „Ich bin kein Mediziner. Jeder soll selbst entscheiden, für was er es nimmt, als Rohstoff oder aus medizinischen Gründen.“ Dies ist einer der Gründe, warum sich Theis gegen die Eröffnung eines herkömmlichen Ladens entschieden hat und stattdessen die Automaten-Variante bevorzugte. „Viele Kunden möchten außerdem noch anonym bleiben“, so der Betreiber von CBD24.  

Um sicher zu gehen, dass sich nur Erwachsene an den Waren in seinem Automaten bedienen, hat Theis eine Vorkehrung einbauen lassen, die garantiert, dass Produkte nur an Menschen mit einem gültigen Führerschein oder Personalausweis ausgegeben werden. Gesetzlich vorgeschrieben wäre dies allerdings noch nicht einmal, so der Besitzer von CBD24.

Laut Theis werden die vier Automaten in Luxemburg nicht die letzten bleiben. Er plant, sein Unternehmen auszubauen und weitere Automaten in Luxemburg-Stadt, Ettelbrück, Diekirch und möglicherweise auch Marnach zu eröffnen.

Auch wenn Alain Origer von der nationalen Drogen-Koordinationsstelle den Wirkstoff CBD generell für unbedenklich hält, so sorgt er sich doch um den den Effekt, den eine Normalisierung von Cannabis-Produkten mit sich ziehen könnte. Cannabis als allgemeines Produkt, vor allem in seiner berauschenden Form, sei nicht ganz ungefährlich und ein aufpoliertes Image riskiere vor allem jungen Menschen ein falsches Bild der Gefahren zu geben.

Erster CBD-Automat in Trier von Polizei geschlossen

Im benachbarten Trier gab es den ersten CBD-Automaten Deutschlands bereits seit November 2018. Eine Vielfalt von legalen Cannabis-Produkten waren auch dort im Angebot: Gepresste und getrocknete Blüten in Tütchen, Extrakt-Kügelchen in Plastikdöschen und allerlei Rauchzubehör konnten an dem neuen Automaten im Trierer Karl-Marx-Viertel gezogen werden.

Am Donnerstag war dann allerdings ruckartig alles vorbei: Einsatzkräfte beschlagnahmten den Automaten in der Trierer Jüdemerstraße und Ermittlungsverfahren wurden aufgenommen. Dem Betreiber wird vorgeworfen, CBD-haltige Substanzen verkauft zu haben, unter der Behauptung, es handele sich hierbei um legale Substanzen.

Das aus Nutzhanf mit geringem THC-Anteil gewonnene CBD dürfe in Deutschland nicht als Konsumgut verkauft werden, so die Staatsanwaltschaft Trier. Der Verkauf solcher Substanzen in Deutschland sei „grundsätzlich nicht erlaubt“, außer sie würden als Rohstoffe für Textilien, Seile, oder auch Kosmetika gebraucht. 

Die Pläne des Besitzers Kai Schmieder, sein Automaten-Imperium in Deutschland weiter auszubauen, dürften vorerst auf  Eis gelegt zu sein.   

Ursprünglich plante er, neben seinen vier bereits existierenden Headshops und seinem Online-Shop, weitere neue Verkaufsstellen in Deutschland und vielleicht sogar  im Ausland zu eröffnen. 

Schmieder war am Freitag morgen nicht für einen Kommentar zu erreichen.

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